ETCS Level 1 & 2 im Vergleich: So funktioniert die moderne Zugbeeinflussung
Konkret funktioniert Level 1 so: Die Strecke ist mit Eurobalisen ausgestattet, die wie digitale Wegweiser zwischen den Schienen liegen. Jedes Mal, wenn der Zug über eine fährt, erhält er einen Datenpaket mit allen wichtigen Informationen für den nächsten Streckenabschnitt:
Wo muss er anhalten? Wie schnell darf er fahren? Wie steil ist die Strecke?
Das Zugbeeinflussungssystem an Bord berechnet daraus eine "Fahrerlaubnis" und überwacht fortlaufend, ob der Zug sich auch daran hält. Würde der Lokführer zu schnell fahren oder ein Stopsignal überfahren, würde das System sofort eine Zwangsbremsung auslösen.
Der Nachteil: Steht der Zug einmal, kann ihm über eine Balise keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden. Hier kommen dann oft doch noch die klassischen Signale ins Spiel, die ihm das Anfahren bis zur nächsten Balise erlauben.
ETCS Level 2 geht hier einen großen Schritt weiter. Es ist, als hätte man durchgehend Mobilfunk-Empfang und das Navi erhält ständig Live-Daten. Die Balisen dienen hier nur noch zur genauen Positionskontrolle. Die eigentlichen Fahraufträge kommen per Funk (GSM-R) direkt in den Führerstand und werden dem Lokführer auf dem Driver Machine Interface (DMI) – dem zentralen Bildschirm – angezeigt. Die Signale am Streckenrand werden überflüssig. Die Überwachung und die automatische Zwangsbremsung bei Regelverstößen funktionieren genauso sicher wie in Level 1, nur eben nahtloser und effizienter.
In beiden Fällen arbeitet ETCS Hand in Hand mit anderen Sicherheitssystemen wie der Sifa, die sicherstellt, dass der Lokführer stets reagionsfähig ist. Zusammen bilden sie ein mächtiges Team, das den Bahnverkehr in Europa sicherer und einheitlicher macht.